1. Ich störe beim Fotoshooting


    Datum: 18.08.2023, Kategorien: Schamsituation Autor: Anonym

    Ich klopfe an, obwohl ich weiß, dass die Fotografin am Freitag kurz nach 19 Uhr zu hat. Ich hätte anrufen sollen und sagen, dass ich es nicht rechtzeitig schaffe. Wäre kein Problem gewesen. Sie ist immer so spät noch im Laden und arbeitet. Ich störe nur kurz. Fotos abholen, bezahlen und – nach besten Wünschen fürs Wochenende – wäre ich weg.
    
    Natürlich hätte ich bis Montag warten können. Aber die Fotos sind für Oma, die ich mit meinem Bruder übers Wochenende besuche. Und Oma hat nun mal keinen Computer, kein Internet und kein Facebook oder was auch immer. Sie freut sich, wenn wir sie nach unseren Reisen besuchen, ihr bei Kaffee und Kuchen von unseren Abenteuern erzählen und ihr Erinnerungen da lassen – auch wenn es nur ein paar Fotos sind.
    
    Das Schild mit den Öffnungszeiten hinter dem Glas in der Tür verspottet mich eine gefühlte Ewigkeit bis sich der dunkle Vorhang, der keine Blicke hinein lässt, bewegt.
    
    Jemand schließt die Tür auf, öffnet sie aber nur einen Spalt. Der Mann der Fotografin schaut mich durch den Spalt an.
    
    β€žWir sind mitten in einem Shooting.β€œ, flüstert er in scharfem Ton ohne mich zu grüßen, obwohl wir uns kennen.
    
    Ehe ich mich entschuldigen kann, ist er von der Tür weg. Ich höre wie er mit seiner Frau redet. Mein Name fällt und er fragt: β€žStört es dich wenn jemand zuguckt?β€œ
    
    Die Antwort höre ich nicht. Dann öffnet er die Tür und bittet mich herein.
    
    Ich schlüpfe hinein, entschuldige mich, dass ich zu spät komme und dass ich ...
    ... störe.
    
    Drinnen ist es dunkel. Warme, feuchte Luft beschlägt meine Brille. Es riecht nach leichtem, rosigem Parfüm und nach Früchten. So als wäre gerade jemand aus der Dusche gestiegen. Ich sehe in dem Dunkel vor mir nur einen schwachen, weißen Halo.
    
    Der Mann verschließt die Tür und verschwindet im Büro, das rechst neben der Eingangstür liegt. Das Fotostudio ist klein. Wenn man es betritt, steht man schon mitten im Atelier. Die Schaufenster sind so abgedichtet, dass kein Licht herein kommt.
    
    Es blitzt und ich bin so geblendet, dass ich nichts sehen kann. Ich öffne meine Jacke, hole mein Portemonnaie aus der Innentasche und versuche über meine Brille durch den grünen Schleier den richtigen Schein zu erkennen.
    
    Es blitzt wieder, was mir nicht hilft, den Schein zu finden.
    
    Dafür mischt sich unter den leckeren Duft der Geruch von angesenktem Staub aus den Lampenschirmen.
    
    Und dann blitzt es wieder, aber diesmal bleiben die Lampen an. Meine Brille wird klar. Ich finde den richtigen Schein und blicke auf.
    
    Eine junge Frau steht in einer Kugel aus Licht. Sie ist nackt. Verschämt hält sie einen Arm vor ihre Brüste, den anderen vor ihren Schoß. Ein Bein ist angewinkelt und verdeckt ihre Scham. Ihr Blick ist abgewandt und verschämt zu Boden gerichtet.
    
    Die Fotografin grüßt mich und widmet sich der Beleuchtung, ohne meine Erwiderung abzuwarten. Nebenbei stellt sie mich dem Model mit Vornamen vor. So erfahre ich auch ihren Namen.
    
    Janina.
    
    Ich sage Hallo. Sie lächelt nur.
    
    Die ...
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